Angie in Australia

Dienstag 26.6.,es geht endlich los! Bis zur letzten Minute bin ich mit Vorbereitungen beschäftigt gewesen! Es gab noch ein paar Überraschungen: oh, ich brauche ein Visum für Australien! Oh, wo ist mein Tauchschein? Im Flugzeug atme ich erstmal tief durch! Geschafft! Ich kann nichts tun – nur Filme schauen, lesen, Musik hören, schlafen – all das kam die letzten Wochen viel zu kurz!
Umsteigen in Dubai mitten in der Nacht 36 Grad heiss -alles ist so unwirklich! Hell, groß, futuristisch! Ich komme mir so vor wie in einem Science Fiction: große moderne Züge, riesige Aufzüge, enorm lange Wege – es erscheint mir ewig, bis ich am richtigen Terminal nach Melbourne bin.
Auf meinem Platz im nächsten Flugzeug gerät meine Zeitvorstellung völlig außer Kontrolle, wie lange fliege ich jetzt noch? Wann ist jetzt woTag oder Nacht? Ich schlafe erstmal, als ich aufwache, wird ein Mittagessen serviert?! Während dem Flug ist es nur für ein paar Stunden hell und dann wieder dunkel. Die Verwirrung ist so perfekt, dass ich völlig überrascht bin, als wir uns zum Landen anschnallen sollen. Mein Herz beginnt heftig zu klopfen, jetzt ist es wirklich bald soweit – ich sehe Fynn wieder und ich bin in Australia – am anderen Ende der Welt! Alles dauert jetzt viel zu lange: wann werden endlich die Flugzeugtüren geöffnet, wann bin ich endlich durch die Passkontrolle (ist mein Visum angekommen?), wann kriege ich endlich mein Gepäck??? Finally everthing is great! Fynn kommt mir entgegen! I’m happy, happy, happy!
Bill, Fynns Tageshaus“vater“ fährt uns ins Palotti-College in Warburton im Yarra-Valley. Wieder ist schlafen angesagt, obwohl ich viel zu aufgeregt bin zum Schlafen und jetzt eigentlich genug habe von der Nacht. Am nächsten Morgen beim Frühstück gibt es ein Wiedersehen mit Jakob und Greta und wir reden erstmal Deutsch. Bill meint:“ now English is the second language!“
In der Mittagspause von Fynn machen wir einen kleinen Spaziergang am Yarra-river, sehr idyllisch mit tollen Stromschnellen auch reizvoll für Kanu-fahrer. Ich sehe meine ersten Eukalyptusbäume und Fynn erklärt mir, dass es sehr viele verschiedene Arten gibt. Später auf meinem Spaziergang durch einen Eukalytus-Wald bin ich fasziniert davon, dass sie so nackt und verletzlich aussehen ohne ihre Rinde. Später erfahre ich von Marie-Ann (der Tageshaus-Mutter), dass das Verlieren der Rinde bei diesem Baum der Ausdruck eines Wachstumsprozesses ist, wie die Häutung einer Schlange. Das berührt mich: ja, Wachstumsprozesse machen oft sehr verletzlich! Dieser Baum, der für mich damit auch ein Symbol der Veränderung ist, lebt in Gemeinschaft mit Riesenfarnen, die hier in Australien aus den Urzeiten erhalten geblieben sind aufgrund der abgeschiedenen Lage dieses Kontinents. Ich bin schon etwas verzaubert und da höre ich ein seltsames Gelächter – ein Kookaburra!
Next day: Ausflug nach Melbourne Fynn erklärt mir,wie ich vom Bus in den Zug komme und wie das Kartensystem in den öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert. Ich versuche mir alle Stationen zu merken und auf keinen Fall zu vergessen, beim Rein- und Rausgehen die Karte an die entsprechenden Signalgeber zu halten. Etwas aufregend! Dann erinnere ich mich, in welchen Städten in der Welt ich mich schon bewegt habe und komme wieder etwas runter. Mit dem Bus vorbei an Pferde- und Kuhweiden und typischen Vorortstädtchen. Mit dem Zug nähere ich mich dann bald dem äußeren Rand von Melbourne und die Häuser stehen immer enger und werden immer höher. Dann erreiche ich das Hochhausviertel von Melbourne und ich bin an die riesigen Bürogebäude von Frankfurt erinnert. Die Endstation ist mitten in der City und direkt gegenüber des Bahnhofs ist das visitor center. Alles super gut und Touristenfreundlich gelegen. Es wimmelt von asiatischen Jugendgruppen, von denen ich umgeben bin und die mir entgegenkommen.Ich lande vor der State Libary of Victoria. Dort sitzen viele Menschen in der Sonne und essen ihr Mittagessen. Mir ist es trotz Sonne zu kalt. Wo sind die Arkaden, von denen Marie-Ann gesprochen hat? Ich sehe nur breite Straßen. Ich orientiere mich nochmal an meinem Reiseführer. Ich laufe weiter, sehe viele Kaufhäuser, durch die ich auch laufe, um mich aufzuwärmen. Irgendwann denke ich, das könnten die Arkaden sein: italienische Mosaiken auf den Fußböden, Ätzglasdecken – alt- 1891 erbaut. Hier setze ich mich in ein Cafe mit ital. Namen und bestelle einen Cappucino. Der charmante Wirt bedient mich persönlich. Ich frage nach Kuchen und er erklärt mir geduldig alle ihre Kuchensorten. Ich verstehe nicht alles , traue mich nochmal nachzufragen und entscheide mich dann doch für etwas , das aussieht und klingt wie apple pie. Laut Reiseführer soll es in Melbourne den besten Kaffee geben. Meiner schmeckt auch wirklich sehr gut. Beim Kuchen rätsel ich noch,welche Früchte in dem Kuchen sind – Rharbarber, Apfel? aber Konsistenz und Geschmack kommen mir anders vor. Ich laufe weiter und ziehe nochmal meinen Reiseführer aus der Tasche, um das Viertel mit den Straßenkünstlern zu finden. Da spricht mich eine Frau an, „are you looking for something?“ Ich nenne ihr die Straße , die ich suche und sie sagt, dass das auch ihr Weg ist. Dann erzählt sie mir noch, welche Attraktionen Melbourne noch zu bieten hat – ein Football-station, ein Tennis-stadion…Wir laufen durch einen Park, in dem das Cottage von James Cook (der als Entdecker von Australien gilt) zu sehen ist. Dann komme ich noch durch Gassen, in denen alle Häuser mit mehr oder weniger spektakulären Graffitis besprüht sind. Hier könnte doch die Künstler sein!? Ist denen zu kalt? Ein Blick auf die Uhr – ich muss wieder zum Zug! Im Zug wimmelt es von Jugendlichen in Schuluniformen – kurze Hosen- die müssen doch frieren! Im Bus bitte ich eine Frau mir zu sagen, wann meine Haltestelle kommt. Sie erzählt und fragt auch gleich sehr offen und freundlich – diese offene Haltung tut mir gut! Abends sitzen wir beim Wein zusammen und feiern Gretas Abschied – die Tageshauseltern, Greta, Fynn, Jakob, Helfer aus der Küche – alles sehr familiär! Habe jetzt eine kleine Sammlung von australischen Lieder mit Hilfe von Marie-Ann zusammengestellt: „Kookabura laughs in the old gum tree“, „Mathilda“, „In a land down under“, „We are Australiens“.
Heute brechen Greta, Fynn und ich auf zu unserer Reise nach Adelaide. Es ist ein strahlender Morgen und wir fahren durch leicht hügelige Landschaft- Schafe, Pferde, Kühe weiden auf den weiten grünen Flächen. Unser Ziel ist ein Campingplatz auf dem Greta ein cabin für uns reserviert hat. Dies cabin ist ein Mini-Häuschen am Lake Fyan im Grampians National Park. Diese Gegend ist bekannt bei den Aboriginies Koori als „Ruheplatz“ und als alte Goldgäberstätte (1851) und für ihre magisch anmutenden Bergketten. Wir sind mit so einfachen Dingen beschäftigt, wie kriegen wir das Häuschen warm? wo finden wir etwas zu essen. Heute habe ich vom Auto aus die ersten Känguruhs lebend und tot gesehen!
Heute ging es weiter nach Adelaide. Unterwegs machten wir Rast zufällig an einem Wildlife park mit weißen Känguruhs. Leider lagen sie nur so müde rum. Ich habe mich aber an die Serie aus meiner Kindheit erinnert „Skippy das Buschkänguruh“. Was war da noch?
Habe zwei neue Abkürzungen gelernt: ABC und CBD -wer kennt sie? Löse ich zu Hause auf!
Vor Adelaide machten wir bei strömendem Regen Halt in Hahndorf. Ein Städtchen das 1839 von deutschen Lutheranern gegründet wurde. Ein echtes Touristädtchen – hier könnte man deutsches Bier kriegen und bayrische Hüte, aber auch Aboriginie-Kunstgegenstände kaufen.
Fynn chauffiert uns sicher durch Adelaide zu unserer Airbnb-Unterkunft. Unser Vermieter ist nicht da, aber sein Hund. Wir richten uns ein und kochen und frieren, weil diese Häuser nicht isoliert sind und die Klimaanlage nur das Wohnzimmer etwas wärmt. Unter unseren Schlafsäcken sitzen wir gemütlich zusammen!

 

 

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